|
Hallo E30-Freaks.
Tja, nun ist bereits mehr
als ein Jahr seit meiner ersten
Fotostory verstrichen und da sich mittlerweile einiges getan hat, gibt
es jetzt ein Update:
Angefangen hat alles mit
der Frage, wie man wohl am „sinnvollsten“ die Zeit zwischen Zivildienst
und Studium überbrückt. Und so reifte in mir der Gedanke, dass
meinem E30 – ganz in der bajuwarischen Tradition seiner bayerischen Herkunft
– eine Maß mehr Hubraum ganz gut zu Gesicht stehen könnte. Und
so begann mein 335i-Projekt, ohne mir auch nur im Entferntesten über
alle Kausalitäten im Klaren zu sein.
Als erstes musste ich natürlich
meinen 325i-Antriebsstrang los werden. Also e-Bay Auktion geschaltet und
die ganzen Teile (Motor, Getriebe, Elektrik, Diff, Anbauteile...) für
500EUR verkloppt. Sehr zu meiner Freude war der Käufer einer aus dem
E30-Forum (325i-Thomas), der erstens sehr freundlich war und mir zweitens
genügend Zeit gewährte, auf die Suche nach einem geeigneten Spender
zu gehen. Und diese Zeit war auch nötig, denn ich musste geschlagene
3 Wochen suchen, um ein brauchbares Triebwerk nebst Karosse aufzutreiben.
Gefunden habe ich meinen
7er schließlich bei „mobile.de“. Es handelte sich um einen 735i E32
mit leichtem Seitenschaden. Da dem Besitzer kurz davor auch noch die Kupplung
verreckte und er keine Lust mehr hatte, den Wagen herzurichten, wechselte
er für 600 EUR den Besitzer. Auf dem Heimweg genoss ich auch schon
den satten Durchzug von unten heraus und schwebte souverän und komfortabel
über die Autobahn. Dumm nur, dass ich ausgerechnet in einen heftigen
Stop-and-Go-Stau geraten musste, was sich mit fehlender Kupplung als nicht
besonders amüsant herausstellte. Aber irgendwie schaffte ich es dann
doch noch, zuhause anzukommen.
Dort wurde das Aggregat
erstmal inspiziert. Es hatte 154TKm gelaufen und machte optisch einen sehr
ordentlichen Eindruck. Aber als ich dann den Ventildeckel abnahm traf mich
fast der Schlag: Der Motor sah aus wie geleckt. Nicht mal die kleinsten
Anzeichen von Ölschlamm o.ä.
Nun konnte es also losgehen:
Der 7er wurde zunächst seines Eisenherzes beraubt. Die nächsten
Tage widmete ich dem Triebwerksservice. Als erstes machte ich mich an die
Kupplung. Da sich das Kupplungspedal nicht mehr durchdrücken lies,
hoffte ich auf einen Hydraulikdefekt oder ein defektes Ausrücklager.
Also Getriebe runter und in Tränen ausgebrochen: Ein erbärmliches
Crash-Bild tat sich mir auf, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte.
Es war so ziemlich alles im Eimer, was nur kaputt gehen konnte: Ausrücklager
sauber in der Mitte durchgeschert, alle Federn der Druckplatte entweder
verglüht oder abgebrochen und das Ganze umgeben von allerlei Lagerkugeln.
Ich musste also in den sauren Apfel beißen und einen komplett neuen
Kupplungskit bestellen. Wer dafür den Preis erfragt sollte auf jeden
Fall sicher sitzen. Aber es half nichts, jetzt habe ich zumindest auf lange
Sicht Ruhe.
Da der Motor sowieso ausgebaut
war, erneuerte ich gleich noch die Pleullager durch Ingos Sportlager mit
mehr Lagerluft. Und obwohl an der Laufleistung nichts gedreht wurde, bereue
ich diesen Schritt keineswegs. Es zeigten sich deutliche Kavitationsspuren
und teilweise war die erste Lagerschicht schon komplett durch. Aber Gott
sei Dank ist der PL-Service ja dummes Zeug, mit dem gewisse Leute nur Geld
schinden:-) Zu guter Letzt glich ich auch noch den Übergang Ansaugkrümmer/Kopf
an. Wirklich phänomenal, wie schlecht die beiden Querschnitte zusammenpassen.
Hier musste ich am Krümmer pro Seite gut 2mm Material mit grober Feile
abschreddern bis es passte.
Dann stand der Einbau auf
dem Plan, der sich schwerer erwies als angenommen. Schließlich wollte
ich das Eisenschwein, zwecks optimaler Gewichtsverteilung, soweit nach
hinten bekommen wie möglich (Position III). Aber Dank Tinos passgenauer
Motorhalter haben wir es dann doch irgendwie bewerkstelligt und er saß
perfekt.
Nun konnte der schönste
Teil beginnen: Die Komplettierung. Zunächst kam das Differenzial und
die Kardanwelle rein. Trotz gegenteiliger Angaben hier auf der Seite konnte
ich eine ungekürzte Welle verbauen. Und zwar von einem Eta mit großer
Hardyscheibe (wurde ab 03/86 gebaut). Nachdem ich also bei etwa 30 Schrottis
angerufen hatte, wurde ich bei einem 150km entfernten Verwerter fündig.
Das Teil (für einen exorbitanten Preis erstanden) passt haarscharf
mit leicht gekürztem Schraubring und maximal zusammengeschoben. Seltsamerweise
saß auch der 325i-Schaltarm – trotz Motorposi III – wie angegossen.
Dazu gesellte sich auch noch eine Schaltwegsverkürzung nach Schrauber-Art
(alter 318i 4-Gang Hebel). Der Kühlkreislauf wird tatkräftig
vom E32-Kühler und einem E-Lüfter samt 91°-Thermostat unterstützt.
Nun machte ich mich an die
Abgasanlage, die sich als blanker Horror herausstellte. Deshalb möchte
ich meine Odysee auch nur kurz skizzieren um Agressionen zu vermeiden:
Original-Kat kaputt (Monolith gebrochen), neuen von 730i E32 besorgt, zu
wenig Platz, Rohre notdürftig aus Schrott-Teilen geschweist, Mist
gebaut, neuen M3-ESD gegönnt, zurückgeschickt, da zu kleiner
Rohrdurchmesser, neuen E23-ESD gegönnt, immernoch Mist, Kat streift,
Krümmer bläst, Rohre umgeschweist, immernoch Mist, Kat umgeschweist,
Unterboden leicht eingedellt, immernoch Mist, neue Rohre gegönnt,
kein Mist mehr... Was sich hier so einfach anhört hat mich an den
Abgrund eines seelischen Zusammenbruchs gebracht, das Geld einer Doppelhaushälfte
verschlungen und mir gut zwei Wochen meines jungen Lebens versaut.
Aber nachdem dann - nach
weiteren drei Wochen - noch aller möglicher Kleinkram erledigt war,
konnte ich zur finalen Jungfernfahrt aufbrechen. Und in diesem Moment waren
alle Anstrengungen, Zweifel, Aggressionen und Selbstmordgedanken der letzten
Wochen wie weggeblasen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit so einem
335i lässt sich fast alles, was auf bundesdeutschen Straßen
so herumkriecht verblasen. Geeeeeeeil...
Da für mich als oberste
Prämisse feststand, auf keinen Fall Gefahr zu laufen, als Prollkarrenfahrer
tituliert zu werden, beließ ich es bei der wunderschönen Original-E30-Optik
und Serien-Akkustik. Und dabei soll es auch bleiben. Die inneren Werte
zählen schließlich ;-)
Mit weiss-blauen BMW-Grüßen,
Dominik.
Zu guterletzt möchte
ich mich noch bei einigen Leuten herzlich bedanken, ohne die mein Umbau
wohl nie Realität geworden wäre:
-
Natürlich Tino für
seine absolut PERFEKTE Umbau-Anleitung und seine hilfreichen Mails
-
Jürgen, meinem Chef-Schrauber,
der mir alle Teile zum Einkaufspreis besorgte, eine schier UNGLAUBLICHE
Gedult aufbrachte, die ständige Belegung seiner Bühne duldete,
meine täglichen Anrufe verkraftete (Stichwort: Gibt schon was neues
vom 535i? ;-) ) und mir fast väterliche Lebensweisheiten mit auf den
Weg gab. DAAAAAAAANKE.
-
Hannes von „Joe‘s Tuning Shop“
in Hof, mit dem wir letztendlich einen bildschönen Auspuff zurechtschweisten
-
Meine Motor Aus- bzw. Einbauer
Thomas (viel Spaß beim Motor-Anschauen! ;-) ) und Miron
-
Und last but not least bei meiner
Oma, deren Einfahrt 2 Monate mit einem Schrott-7er besetzt wurde und die
mich mit lecker Essen verwöhnte ;-)
Hier alle Daten zu
meinem 335i:
-
Karosserie: 325i Bj 10/89 mit
M-Technik II
-
Motor: M30B35 aus 735i E32 (09/86)
mit 211 PS
-
Getriebe: 5-Gang Schon mit Short-Shift
-
Abgasanlage: E32-Kat mit 735i-E23
Endtopf, Eigenbaurohre
-
Kraftübertragung: 25% gesperrtes+überholtes
3,25er Diff. (M3), Eta Kardanwelle mit großer Hardyscheibe
-
Fahrwerk: M-Federn, gelbe Konis,
dicke Stabis, 7*15 Kreuzspeichen mit 205er Toyos, 5mm Distanzscheiben hinten,
viele neue Lager (M3-Querlenkergummis, Tonnenlager, M3 Domlager...)
-
Sonstiges: Domstrebe vorne,
(Eigenbau-) Strebe hinten, (Eigenbau-) Standlichtringe, (Eigenbau-) Tachoringe,
komplette Akustikdämmung...
-
Fahrleistungen: 0-100 ca. 6,7s,
Vmax ca. 240 (bei 5900 1/min), Verbrauch 8,7-12,5l
-
Gewichtsverteilung: vo/hi :
53/47%
Bei Fragen, Kritik und
Anregungen könnt ihr mich unter Dominik335i@web.de
erreichen.
|