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Restauration
Karosserie / Lack |
Die Suche nach der perfekten Basis ist geglückt. Die
gewünschten Extras sind montiert. Der Wagen steht da wie gewünscht. Farbe passt.
Radsatz passt. Ausstattung ist zwar noch dürftig aber das kommt nach und nach.
Doch es gibt ein Problem. Zweifel an der
Perfektion des Fahrzeugs. Kleine Beulchen hier, versteckte Rostnester da. Zwar
nur im Verborgenen aber die Gewissheit durchdringt uns. Hier muss umgehend und
umfassend Abhilfe geschaffen werden, ansonsten ist die Freude an dem Wagen in
wenigen Jahren dahin.
Die Restauration der Karosserie ist die erste und
wichtigste Maßnahme beim Aufbau eines zeitlosen Klassikers. Hier legt man den
Grundstein für den Werterhalt in der Zukunft. Hier darf nicht gespart werden.
Unzulänglichkeiten blühen im wahrsten Sinne des Wortes nach einigen Jahren
wieder auf. Perfekte Arbeit und spätere Pflege eröffnen dem E30 überhaupt erst
das Fahren in den nächsten Jahrzehnten. Die Technik kann noch unzulänglich
bleiben, hier tickt keine röstige Sanduhr.
Zerlegung
Leider ist die Restauration der Karosserie und gleichzeitig des Lackes eine sehr
langwierige und ermüdende Tätigkeit, wenn man es perfekt machen muß. Und das
müssen wir. Daher zerlegen wir unseren Wagen selbst. Kaum ein Lackierer liebt
den E30 so wie wir, würde also entsprechend sorgsam mit den zum Glück noch
perfekt erhaltenen Chromleisten umgehen und darauf achten, dass auch wirklich
die letzte Ritze mit frischem Lack benetzt wird.
Entfernt sollten in jedem Fall folgende
Fahrzeugteile:
- Stossstangen, Spoiler, Beleuchtung
- Zierleisten seitlich und am Fenster,
- Scheiben rundum inkl. Rahmen
- Innenraum weitestgehend (vereinfacht die
Reinigung vom Lackierstaub)
- Armaturenbrett bei Bedarf
- Himmel komplett
- Türen komplett leeren: Scheiben, Dichtungen,
Mechanik Schlösser, Kabelbaum
- Motorraum: Anbauteile an den Aussenseiten
- Innenkotflügel
- Kofferraum komplett
Ein paar alte Räder sollten sich auch noch
anfinden. Ziel muss es sein, den Lackierer nicht mit unnötigen Tätigkeiten zu
nerven. Der soll den Lack perfekt vorbereiten und auftragen und sich nicht mit
der Demontage irgendwelcher störenden Teile beschäftigen.
Prüfung
Erst mit demontierten Abdeckungen und bis auf nackte Blech zerlegt zeigt der
Rostfraß den Umfang seines zerstörerisches Werkes. Bei meinem roten 318i waren
folgende Rostschäden zu verzeichnen:
- Batteriefach komplett angerostet (vermutlich
früherer Batteriedefekt)
- Radlauf rechts durch Unfall leicht lädiert und
angerostet
- Scheibenrahmen unten hintere Seitenscheibe
links Rostloch hinterm Gummi
- leichter Flugrost durch Steinschläge an Hauben
und Türen Unterkanten
- Schweller hinten rechts Rostloch schlecht
geflickt und wieder rostig
Bei dieser Prüfung zeigte sich das mein Wagen
eine relativ gute Basis darstellt, weil in der Regel noch weitaus mehr kleine
rostige Stellen zu finden sind. Diese müssen komplett blank geschliffen werden,
in den meisten Fällen muss das komplette Blech rausgetrennt werden um die
letzten Rostanteile zu entfernen. Nur so ist sichergestellt, dass es nicht in
wenigen Jahren wieder blüht. Das liest sich hier vielleicht alles recht einfach.
In der Realität muss jeder Winkel abgesucht werden und in fast jedem findet man
eine Kleinigkeit.
Die genannten Blecharbeiten sind vom
Karosseriebauer durchzuführen. Lackierer machen dies meist nicht oder in
unzureichender Qualität. Glück hat wer einen gewissenhaften Karosseriebauer
findet, der gleichzeitig auch lackiert.
Lackierung
Eine pauschale Aussage bezüglich der Kosten ist sicherlich nicht ganz
einfach. Ich habe für die komplette Lackierung inkl. der genannten
Karosseriearbeiten 1.250,00 EUR bezahlt. Im Berliner Raum sind die Preise
aufgrund der Nähe zu Polen eher auf unterem Niveau. Deshalb ist die Arbeit die
man für diesen Betrag bekommt qualitativ auf hohem Niveau. Ich habe schon einige
Fahrzeuge (u.a. lightgelbes 335iC, stahlgraumetallic 325i 24V) lackieren lassen.
Ohne eine perfekte Vorarbeit (Zerlegen) und gezieltes Hinweisen auf spezielle
Bereiche und Ansprüche gibt es kein perfektes Ergebnis. Im vorliegenden Fall war
die Ansage an den Lackierer recht klar: originalgetreu und für die Ewigkeit.
Somit orderte er auch während der Arbeiten noch eine zweite Fahrertür, weil die
ab Werk verbaute (unfall- und rostfreie) zu wellig war und unnötig viel Spachtel
erfordert hätte. Kein Problem solche Teile gibts für 20 EUR auf dem
Gebrauchtmarkt.
Ein paar Spezialaufgaben hatte ich dennoch für
ihn. So z.B. das Einschweissen der Cabrio Versteifungen an den vorderen
Kotflügeldomen. Damit die Schweissnähte nicht irgendwie, sondern wie ab Werk
aussehen, musste mein altes 86er 335iC nochmal bemüht werden, weil hier die
Nähte offen lagen und nicht wie bei den neueren Modellen mit Karosseriekleber
versehen sind. Der Tausch des Batteriefachs war ebenfalls nicht ohne. Das
Blechersatzteil ist mit 30 EUR noch überschaubar, der Arbeitsaufwand liegt bei
einem halben Tag.
Lackprüfung
Mit frischem superglatten und glänzendem Lack sieht natürlich jedes Auto erstmal
perfekt aus. Allerdings ist eine gründliche Prüfung nötig um dem Lackierer
gleich die ein oder andere Stelle zum Nacharbeiten zu zeigen. Oftmals wird im
unteren Bereich etwas unsauber gearbeitet. Hin und wieder findet sich ein
kleiner Einschluss im Lack. Meist lassen sich solche Stellen einfach
auspolieren. Ausschlaggebend für die Fähigkeiten des Lackierers ist aber in
jedem Fall das Lackierergebnis vor der Poliererei. In meinem Fall gab es ausser
bei den Außenspiegeln keine größeren Beanstandungen.
Zusammenbau
Das Lackierergebnis ist wie gewünscht ausgefallen. Der Wagen steht im
Idealfall in der trockenen weiträumigen Garage. Jetzt ist große Geduld gefragt.
In den ersten Wochen ist der Lack noch nicht endgültig durchgehärtet. Eine
Berührung mit scharfkantigen Metallteilen verursacht sofort tiefe Kratzer. Man
sollte sich also überlegen wie eilig der Zusammenbau ist. Gut wer wie ich noch
einen Alltags E30 hat, mit dem man seine Sucht befriedigen kann. Somit bleibt
genug Ruhe, um hin und wieder an dem frisch lackierten Wagen das ein oder andere
Teil zu montieren.
Als erstes habe ich mich an die Montage einer
möglichst perfekten Heckstosstange gemacht. Drei Stück standen zur Auswahl, Am
Ende musste ich aus allen Dreien eine zusammensetzen. Die Rückseite der
Stahlstosstangen rosten eigentlich immer mehr oder weniger. Daher habe ich sie
von hinten gereinigt, entrostet und mit der Spraydose silber lackiert.
Die seitlichen Leisten waren die nächsten zu
verbauenden Komponenten. Hier ist schon mehr Geschick gefragt um den Lack nicht
zu beschädigen. Die Klipse holt man sich am besten neu, oder man hat wie ich nen
kompletten Schlachter zum Abgucken und Teile abbauen bereitstehen. In meinem
Fall ein kompletter 325e mit Hecktreffer und netter Austattung (gekauft für 300
EUR).
Die vordere Stosstange inkl. Blinker war auch
vorher schon o.k. Die wurde ebenfalls von hinten lackiert und montiert. Die
rostanfälligen Stecker der Blinker habe ich auf einer Seite erneuert
(abgeschnitten, neuen angelötet, Schrumpfschlauch, fertig)
Der Grill und die Scheinwerfer waren schnell
montiert. Eine vorherige gründliche Reinigung der Teile ist empfehlenswert.
Jetzt wird es schon kniffeliger. Der Himmel muss
montiert werden. Das ist eine Arbeit, zu der man sich etwas Zeit nehmen sollte,
ansonsten gibt es nachher ärgerliche Falten. An den Enden muss er an der Karosse
fixiert werden. Karosseriekleber dünn aufgetragen eignet sich recht gut dafür.
Die kritischste Stelle ist die C-Säule, hier muss vor allem beim Scheibeneinbau
hin und wieder auf dem perfektem Sitz des Himmels geachtet werden. Ich habe im
übrigen wieder den originalen hellen Himmel verbaut. Ich kann die Euphorie um
die schwarzen Himmel nicht ganz nachvollziehen.
Bezüglich der Scheiben habe ich meinen Wagen in
diesem Zuge auf Colorverglasung umgebaut. Uneingeschränkt empfehlenswert. Es
sieht nicht nur besser aus, sondern verringert auch die Aufheizung merklich. Ich
habe als erstes die hintere Scheibe wieder eingesetzt. Die hinteren
Seitenscheiben sind am schwierigsten zu montieren. Wenn man den Bogen aber
erstmal raus hat, geht es auf der anderen Seite recht fix.
Die komplette Bestückung der Türen ist eine recht
umfangreiche Arbeit. Die korrekte Montage der Chromleisten und Abdeckungen ist
nichts für ungeübte Bastler. Zu schnell sind die Leisten verbogen und damit
unbrauchbar. Ein kompletter Tag geht auf jeden Fall für eine Tür drauf, vorallem
wenn man wie ich noch gleichzeitig elektrische Fensterheber, ZV und
Schlossbeheizung nachrüsten muss.
Das Armaturenbrett findet sich schnell wieder an
seinem angestammten Platz. Schwieriger war es schon ein makelloses Exemplar zu
finden. Im Moment ist eines aus einem M3 E30 verbaut, welches zusätzlich
abgedämpft ist.
Zeitrahmen
Bei der Restauration der Karosserie und des Lackes ist ausreichend Zeit die
wichtigste Vorraussetzung für ein perfektes Endergebnis. Wenn man nur am
Wochenende und hin und wieder Abend Zeit zum Schrauben hat und auch nicht jedes
Wochenende am Bauen ist, sollte man ein halbes Jahr rechnen. Hintereinanderweg
gearbeitet ist das Auto an 1 bis 2 Tagen komplett zerlegt und in einer Woche
wieder komplettiert. Aufgrund nachlassender Kräfte und schwindender Motivation
kann ich das aber nicht empfehlen.
tino@e30.de
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