Kombinator: 338i Umbauanleitung

Nachfolgend Kombinators Beschreibung des Einbaus eines M5 Motors in einen E30 Touring. Es wird hier der S38 B38 mit 340 PS verbaut. Einige Punkte sind abweichend von der Vorgehensweise die ich persönlich wählen würde. Ich möchte Euch die Anleitung trotzdem nicht vorenthalten. Viele Umbauprobleme kann man so oder so vernünftig lösen. Es gibt mit Sicherheit den ein oder anderen, der einen ähnlichen Umbau vor hat und nachfolgende Tips gut gebrauchen kann.

mfg Tino tino@e30.de

 

 

Hallo BMW Freunde,

Diese Umbauanleitung erhebt keinen Anspruch darauf die einzig wahre oder die beste zu sein. Es ist ein einfacher Erfahrungsbericht eines aus meiner Sicht recht einfachen Umbaus dem Schwierigkeit nachgesagt wird :-) Ich muss zugegeben, es gab in meinem Fall die ein oder andere Sachlage die den Umbau vereinfachte, so z.B. war mein Touring früher mal ein H35-24 Umbau, somit war Spritzwand schon passend und eine HARTGE Vorderachse vorhanden.

Die Hauptprobleme liegen meiner Meinung nach aber eher in einer ausreichenden Motorkühlung. Ich halte meine Bauart des Kühlers in der Frontmaske schlichtweg für die beste, weil sie gigantische Kühlleistung mit geringem Platzaufwand verbindet und vorallem Platz für den Motor insbesondere der großvolumigen Thermostatgehäuse des S38  lässt. Andere Methoden (mit E28 Kühler und M88 Thermostat) funktionieren natürlich auch, aber ich persönlich habe sogar beim normalen 335i umbau schon feststellen müssen dass ich beim Heizen die Heizung anmachen mußte, damit die Temperatur nicht über die Hälfte steigt. Die E28 Kühler liegen nicht voll im Luftstrom und sind meines Erachtens deshalb unzureichend. In einem 5er ist mehr Platz und die Zargen (die Plastikluftführung) bringen die Luft auch dahin wo sie hin soll. Da im E30 solche Luftführungen nur schwer zu realisieren sind, habe ich extra einen Kühler für meine speziellen Zwecke für die Frontmaske anfertigen lassen. 

Der E-Lüfter ist übrigens der Klimalüfter vom 850i, ich habe extra ein Stück aus dem Frontblech geschnitten damit der Motor des Lüfters Platz hat. Durch den Kühler in der Frontmaske verändern sich die Platzverhältnisse im Motorraum gravierend und man muß nicht auf M88 Rohre und Thermostatgehäuse umbauen und der Motor muß nicht so weit nach hinten. Ausserdem kann man das Hitzeschutzblech des S38 für die Krümmer beibehalten was bei M88 Teilen nicht so einfach ist.

Der Ölkühler vom M5 kann verwendet werden, dann sollte man aber die Leitungen verlängern. Es geht aber auch so, nur ist dann alles ein wenig unter Spannung. Ich werde mir noch einen Ölkühler für über den Wasserkühler besorgen, da ja oben noch eine Lücke ist.

Die Bremsanlage sollte M3 oder besser sein (ja, Jochen, Alpina B6 geht auch;-)). Mit 5-Loch hat man ausserdem eine riesige Felgenauswahl.

Die Ölwanne hat übrigens mein Freund Kohni geschweißt (astreine Arbeit Jochen). Man kann zwar auch ohne umschweißen den Motor reinsetzen, das erfordert aber die Absenkung der Vorderachse. Mir persönlich bereitet sowas Kopfschmerzen weil dabei entstehen zwei Probleme: Die Vorderachsgeometrie verändert sich und man muß die Lenkung verlängern. Beides Punkte mit denen ich persönlich nicht konform gehen kann. Aber jeder so wie er will.

Die Getriebelagergummis passen inklusive des Getriebehalters vom 325i. Um den Motor etwas weiter nach hinten zu bekommen, haben wir die Aufnahmen am Getriebe etwas weiter eingefräst. Wobei das M5 Getriebe ja auch länger ist, als ein Schongang M30 Getriebe.

Am Anfang steht der erste testweise Einbau. Ich habe den Motor von unten in das Auto gleiten lassen. Ich habe Eigenbau-Motorhalter aus Chrommolystahl aus meinem 335i umbau übernommen. Krümmerseitig mußten sie allerdings verändert werden weil ja bekanntlich der Fächer stört. 
Das war bei mir allerdings kein Problem weil ich eine Hartge Vorderachse drin habe auf der die Aufnahme für das Motorlager nach innen versetzt ist. Die Motorgummis sind Industrielager in der Härte 75 shore. Das ist zwar knallhart, aber spielt keine Rolle bei der Geräuschübertragung. Dafür wandert der Motor weniger hin und her.
Die Spritzwand war schon weiträumig nach hinten bearbeitet, hier gab es keine Probleme. Der Bereich um den Bremskraftverstärker ist sehr eng. Aufgrund der Motorposition passte aber der Tandem Verstärker ohne Probleme.
Die Verbindung vom Motor zum Kühler wurde mit normalen Schläuchen aus dem BMW Regal gemacht. Da mir keiner die Schläuche so anfertigen konnte wie ich sie brauchte habe ich mir kurzerhand beim Heizungsbauer 42mm Kupferrohr besorgt und die Bogen die ich brauchte hartlöten lassen. Passt perfekt und wenn man die Dinger schwarz lackiert fällt es nicht mal dem TÜV auf :-)
Der E-Lüfter vom 850i passt knapp vor den Wasserkühler. Zur Befestigung wird einfach ein Halter an den Schlossträger geschweisst.
Das ABS Aggregat muss versetzt werden. Dazu ist ein kleiner Halter anzufertigen. Nix weiter aufregendes.
Das Differential ist ein 3.25. Das hat mir Marvin (wagner_marvin@web.de) auf 45% Sperrwirkung
gebracht inklusive einer kompletten Überarbeitung mit neuen Lagern und Dichtringen. Darauf kam ein M-Roadster Deckel. Vielen Dank nochmal an Marvin für die perfekte Arbeit.
Die Kardanwelle ist 5 cm gekürzt und komplett neu gemacht mit Kreuzgelenken, Mittellager und ausgewuchtet.

Dass die kompletten Gummiteile des Fahrwerks bei so einem Umbau neu sein müssen bedarf eigentlich keiner Erklärung.

Am Längsträger vorn rechts ist eine kleine Modifikation vorzunehmen, damit der Thermostat genug Platz hat. 

Auf dem Bild rechts: die Kabelführung zum Handschuhfach.

Die Schaltung ist übrigens sehr einfach anzupassen.
Den oberen Schaltarm (Alu) muß man zwar im Fachbetrieb kürzen lassen. Den Schalthebel unten kann man selber kürzen. Ich musste das Teil leicht verdreht zusammenschweißen weil der Motor stärker geneigt sitzt.
Der E34 Fächerkrümmer inkl.Kat hat bei mir einfach so unter den Unterboden gepasst. Dank Tinos Hilfe gekam ich Querlenkerlager von treehouseracing. Passen perfekt und man muß nix am Auspuff umschweißen. Die Teile kosten zwar einiges, aber man spart sich einen Haufen Arbeit.
Die Abgasanlage besteht im vorderen Teil komplett aus unveränderten E34 Teilen. Warum das passt, ist ganz einfach: Die Spritzwand ist weitflächig bis in den Beifahrerfußraum modifiziert. Die Querlenkerlager lassen genug Platz. Der Motor sitzt nicht brachial weit hinten.
Der Entopf stammt vom E36 M3. Passt vom Querschnitt her perfekt an die E34 Kats. Ein paar stabile Halter sind anzufertigen. Aber eigentlich recht easy.
Der Sound der original BMW Teile ist sehr gut. Nicht zu übertrieben und dröhnig, sondern eher Satt und tief grummelnd. Bei höheren Drehzahlen durchaus kernig und sehr sportlich. Kann ich nur empfehlen.
So sieht nun der fast fertige Umbau aus. Motor sitzt drin, hat an allen Seiten ausreichend Abstand. Der Luftfilter ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber reicht für erste Ausfahrten aus.
Äußerlich ist mein Auto eher dezent. Der Umbau auf M3 Achsen ermöglicht die Montage von allerlei günstigen und dezenten original BMW Felgen der größeren Baureihen.

Die Elektrische Anschaltung ist für einen Elektriker denkbar einfach. Für die Nicht-Elektriker habe ich nachfolgend die Kabelfarben des S38 Motors aufgelistet, dann weiß man welche Farbe auf welchen Pin des E30 Steckers gehört. Da es schon 2 mal per Email funktioniert hat denke ich es ist einfach zu bewerkstelligen. Was nicht in der Liste steht sollte auch nicht angeschlossen werden. Das haben wir beim Umbau von alpinab6_338i gemerkt. Irgendeiner hatte das Kabel der DWA angeschlossen und alle haben sich gewundert warum der Motor nicht zum laufen zu bringen ist;-)

Belegung E30 Motorstecker (ab 7/87)
 
1         bl                 Limakontrolle
 2         bl/ge            Ölniveau Statisch
 
3         
 
4         br/vi              Fernthermometer Kühlwasser
 
5         sw/br            Öldruck Warnkontakt
 
6         gn/ge            Zündplus gesichert (Zündung auch während des Startvorgangs)
 
        gn                 Zündplus ungesichert (gn/ws vom S38 für Diagnosestecker)
 
8         ge/ws
 
9         sw                Drehzahlmesser
10         vi/gr             Ölniveau dynamisch
11         ws/bl            Si             (nicht benötigt)
12         sw/ws          (ist leer,muß aber für sw/ws vom S38 für speedpuls belegt werden)
13         vi/rt              Benzinpumpe
14
15
16         ws                Si
17
18         sw/ge           Anlasser
19         br/vi             Nicht belegt, Öltemperatur für S38
20                            Zündplus für ABS, kann von 87 am DME Relais abgenommen werden

Kabelfarben S38 B38(und B36)
sw        Drehzahlsignal
bl/ws    Ölniveau Dynamisch
bl/ge     Ölniveau Statisch
gn/vi      Benzinpumpe
ws/ge   Diagnoseverbindung Tacho(nicht benötigt)                        
ws/vi     "            "            "            "            "
sw/gr    für Klimadrehzahlanhebung
gr           nicht Belegt
gn          Zündung ungesichert
sw/vi      DWA                            
sw/ws   Speedpuls (zwingend notwendig, sonst drastisch verringerte Leistung)
br/vi        Öltemperaturanzeige     
br/gn       Öldruckwarnkontakt       
br/ge       Fernthermometer Kühlwasser
gn/ws     Zündung für Diagnosestecker
bl            Limakontrolle

Achtung: Das br/vi Kabel am Fernthermometer wird nicht benötigt, es endet auch im Motorstecker, also ausmessen, abklemmen und offen hängen lassen. Fernthermometergeber grundsätzlich vom E30 nehmen.

Erläuterungen zu den Kabelfarben:
bl          blau      
ge
         gelb      
br         braun    
vi          violett    
sw        schwarz
ws        weiss
gn         grün
gr         grau      
rt          rot

Bei 2-Farbigen Kabeln ist die erstgenannte Farbe immer die Hauptfarbe. Die zweitgenannte ist immer der Farbliche Streifen.

Wenn man dann alles ordentlich verarbeitet hat kann man sich auf die erste Probefahrt freuen. Die Leistungsentfaltung eines M Motors ist einfach der Hammer. Die Geräuschkulisse ist Motorsport pur.
Man bekommt das Grinsen für lange Zeit nicht aus dem Gesicht.

Für Leute die den Umbau vorhaben: Es ist nix für schmale Geldbeutel (nein ich bin kein Millionär)
So etwas kostet mit Motor knappe 10 mille. Man kann es billiger machen, das macht es aber nicht besser.
Um die Alltagstauglichkeit zu gewährleisten muß man an einigen Stellen einfach Geld ausgeben.

Zur Übersetzung: Ich habe das relativ lange 3.25er Diff gewählt weil ich ein alltagstaugliches Auto brauche.
Ich fahre öfter von Mainz nach Berlin und will das ohne nervige Geräuschkulisse haben. Ich werde mich aber noch nach einem 6-Gang Getriebe umsehen. Dann habe ich das mit der langen Übersetzung wieder relativiert weil ich einen Gang mehr habe bei gleicher Endübersetzung.

Zum Verbrauch: Im Alltag zur Arbeit ist man mit 12 Litern dabei wenn man es zwischendrin auch mal krachen lässt. Auf der Autobahn bei wirklich schneller Fahrweise (natürlich dem Verkehr angepasst)
15 liter. Wenn ich es am Wochenende auf der Landstrasse krachen lasse sind auch mal 18 drin;-)

Aber aus Gründen der Ökonomie baut man sich kein solches Auto. Und wenn einer fragt wieviele Porsches ich schon verheizt habe: Nicht viele, weil es auf der Autobahn nur selten schnelle Autos gibt.
Und wenn ein Porschefahrer bemerkt dass ein E30 ihm auch nur ansatzweise folgen kann, legt er es sowieso nicht mehr auf ein Rennen an.

Viel Spass beim Selberbauen wünscht


Kombinator


Falls einer Fragen hat kann er mich gerne anmailen  kombinator@t-online.de