Manchmal bekommt man mehr als man gibt. So lautete der Werbeslogan auf einem Plakat, was BMW für die letzte Edition der 3er Reihe E30 herausgebracht hatte. Der abgebildete Wagen war diamantschwarz, hatte Shadow-Line und bei den Kreuzspeichen-BBS waren die Speichen anthrazitmetallic lackiert. Das Plakat hing in meinem Zimmer, als ich noch bei meinen Eltern wohnte. Es ist kein Wunder, dass ich heute 20 Jahre später so einen Wagen besitze. Der E30 ging mir eben unter die Haut und nie mehr aus dem Kopf. An meine erste Fahrt in einem BMW erinnere ich mich noch, als wäre es gestern. Ich war 16 und mein Cousin, den wir zum ersten Mal in Forchheim im Fränkischen besuchen konnten, hatte einen 79er 320/6. Der Klang des Jahrhundertsechszylinders und die Art wie er seine Leistung entfaltete, hat mich vollkommen süchtig gemacht. 3 Jahre später hatte ich dann - wie konnte es auch anders sein, einen 323i E21. Im Laufe der Zeit folgten dann diverse E30, E34, E36 und E39. Jetzt war es aber an der Zeit den E30 zu kaufen, den ich für immer behalten möchte. Der Satz von dem Plakat fiel mir sofort wieder ein, als ich auf der Rückfahrt von Hamm nach Dresden in dem hier abgebildeten Auto fuhr, was ich im Sommer 2006 für nur 600 Euro beim freundlichen Gebrauchtwagenhändler Autohaus 2000 in Hamm (Kiesplatz, Wimpel, Bürocontainer) gekauft hatte. Wenig Geld für ein unfallfreies und rostfreies Erste-Hand-Auto mit voll gestempeltem Scheckheft und einer Laufleistung von grade mal 139.000 km, das eine Dame (die so alt ist wie meine Mutter) 19 Jahre lang behutsam gefahren und immer in der Garage abgestellt hatte. Trotz eingelaufener Nockenwelle lief der 87er 320i noch ausgezeichnet. Ich hatte ein unberührtes Auto mit der Aura des Erstbesitzers. Das Bordwerkzeug war komplett und das originale Ersatzrad unbenutzt! Die vollständig original erhaltene Ausstattung ab Werk enthielt unter anderem elektrische Fensterheber, Colorverglasung grün, Shadow-Line, manuelles Schiebedach, Radio Bavaria Cassette mit Überblendregler, Skisack und Lackierung in Lachssilbermetallic. Ob die Servolenkung damals serienmäßig war weiß ich nicht. Im Laufe der Zeit habe ich den Wagen behutsam mit Originalteilen ausstattungsmäßig etwas modifiziert. Kreuzspeichen BBS 15“, M-Technik Fahrwerk, M-Technik Lenkrad, Wegfall Heckspoiler und einen M50 Motor vom 525i 24V. Nach verschiedenen Übersetzungen habe ich mich für ein 3:25er Differential entschieden, welches meiner Meinung nach am besten passt. Die Beschleunigung ist überzeugend bei noch akzeptabler Endgeschwindigkeit (läuft auf der graden bei Tacho 230 in den Begrenzer). Erst wenn man mal wieder in einem originalen E30 325i fährt, merkt man wie groß der Unterschied tatsächlich ist. Der Umbau ist wirklich empfehlenswert und hier auf der Webseite sehr gut beschrieben, auch wenn der Charakter des Wagens danach ein anderer ist. Ich vermisse etwas den homogeneren Klangteppich des 12 Ventilers, der von dem zarten Ticken der Einspritzventile untermalt wird. Eigentlich wird es Zeit, die Erstbesitzerin ausfindig zu machen und ihr das Auto einmal vorzustellen. Hoffentlich will sie es dann nicht gleich behalten. Christian Wentzel, Radebeul C.Wentzel@Villa-Belavista.de |